Geschichte des neuen PfarrzentrumsIm neuen Kern der Großgemeinde Unterpfaffenhofen-Germering breitet sich nordwestlich des Rathauses das moderne Pfarrzentrum St. Martin aus. Am 16. Juli 1967 konnte es der damalige Erzbischof von München und Freising, Julius Kardinal Döpfner, nach eineinhalbjähriger Bauzeit einweihen. Plan und Ausführung stammen von Regierungsbaumeister Hubert Gais, München, und seinen Mitarbeitern, Dipl-Ing. Franz Pecher und Dipl-Ing. Wilhelm Betsch; die statischen Probleme half Regierungsbaumeister Herbert Schlaegel lösen. Die erst 1968 abgeschlossene gärtnerische Gestaltung des Pfarrzentrums lag in den Händen von Prof. Ludwig Roemer, Söcking.
Direkt am Rathausplatz und zugleich auch als nördlicher Blickfang der Goethestralße ragt 27m hoch der nur aus zwei Betonplatten bestehende schlichte Campanile auf, mit den fünf Glocken der Firma Karl Czudnochowsky, Erding, von 1966 im hochrechteckigen Glockengehäuse und mit dem schimmernden Kreuzeszeichen obenauf. Er markiert den zweiläufigen Treppenaufgang zum Kirchenvorplatz, der südlich und westlich von einem Pflanzengürtel, im Norden von dem Gebäude mit Pfarrsaal und Versammlungsräumen und im Osten vom Gotteshaus begrenzt wird. Über dem weiß geschlämmten Ziegelmauerwerk des Unterbaus erhebt sich beinahe kuppelartig der von hier aus nicht mehr ganz so beherrschende, konträr mit fast schwarzem Naturschiefer verkleidete Kubus des Kirchenhauptraums wie die Cella eines gallo-römischen Umgangstempels.
Zwei einfache Bronzeportale führen aus dem profanen Atrium in die dämmrige Kirchenvorhalle, in deren Mitte - vom Licht der rechteckigen Deckenöffnung umflutet - der Taufstein steht, Pendant und Vermittler zur Stelle des Osterfeuers im Vorhof einerseits und zum Altar andererseits. Im Weiterschreiten öffnet sich dem Besucher der auf drei Seiten von einem niederen Umgang umzogene, helle Hauptraum mit dem warmen Rot seiner Ziegelmauern und den angenehm menschlichen Proportionen. Durch das umlaufende Fensterband über den Seitenschiffen und am Dachansatz scheint der mit Schallkammern versehene Kubus des Obergadens seiner Schwere enthoben. Das facettierte Faltdach des Hauptraums, das mit seinen sechs sich verjüngenden Stahl-Rundstützen wie ein leichter, eingestellter Baldachin wirkt, kontrastiert zu den drückenden Fertigstahlbetondecken der dämmrigen Nebenschiffe. Die Bankreihen sind von drei Seiten auf die erhöhte, durch Leuchtkörper abgeschirmte Altarinsel in der Osthälfte des Hauptraums zugeordnet; dadurch erscheint die wegen ihrer städtebaulichen Situation längsrechteckige Kirche im Innern wie ein gerichteter Zentralbau. Im Norden schließt sich im rechten Winkel die Werktagskapelle mit den Beichtstühlen an, deren Altarraum durch das indirekte Oberlicht befreiend am Ende des gangartigen Anbaus aufleuchtet und sich schon allein dadurch zum Meditationsraum eignet. Sie bildet mit der Sakristei und der Pfarrbibliothek einen eigenen Baukomplex.
Die Gestalt und Anlage der Germeringer Martinskirche sind im Prinzip in den Kirchenbauten Joachim Schürmanns (St. Pius X., Köln-Flittard, und St. Stephan, Köln-Lindenthal, 1959/60) vorgeformt. Ihre Maße: 35m lang, 26m breit, 14m hoch; Hauptraum: 28 x 18 m; 450 Sitzplätze, ca. 800 Stehplätze.
Die Kernstücke der Kultausstattung: Altäre, Taufstein, Ambo und Sedilien stammen von Prof. Fritz König und seinen damaligen Mitarbeitern an der Technischen Hochschule in München, Dipl-Ing. Dietrich Clarenbach und Bildhauer Alfred Aschauer, und passen sich in ihrer kubischen Form und der Farbigkeit des dunkelgrauen Steins der Außenarchitektur des Hauptraums an, wenngleich den heutigen Betrachter die Schmucklosigkeit und rationale Nüchternheit auf den ersten Blick etwas befremden mögen. Auch die beiden Bronzeportale und der in der Südwand eingelassene Grundstein mit dem auf einige wesentliche Punkte und Linien beschränkten Relief des mantelteilenden hl. Martin wurden von diesem Team gestaltet. Die abstrakte, dynamische Glasmalerei in Grau- und Grüntönen des unteren Fensterbandes ist das Werk von Ernst Neukamp, des Preisträgers für Malerei der Stadt München 1966. Ebenfalls noch zur Erstausstattung gehört die Schleifladen-Orgel (2 Manuale, 1 Pedal, 26 Register) von Carl Schuster und Sohn, München, die sich in drei Gehäusen an der Westwand auftürmt.
Unter Pfarrer Ernst Friedrich (an St. Martin von 1969 bis 1981) kamen noch an qualitätvollen Ausstattungsstücken hinzu: 1. in der Werktagskapelle 1970 die gerundete, ungefaßte Statue der Muttergottes (Basalt-Lava) von Michael Veit, München, die bergend das kreuzförmig komponierte Christkind umschließt; 2. das über dem Hauptaltar einen farbigen Akzent setzende Mosaik-Triumphkreuz von Werner Persy, Trier, von 1978, auf dem einerseits Christus als junger König in der Mandorla und andererseits das apokalyptische Lamm erscheint; 3. vom gleichen Künstler 1981 im südlichen Seitenschiff ein Kreuzweg, wo die Passion Christi in unsere Zeit und unseren Alltag versetzt ist - zur Verdeutlichung der immer noch bestehenden Aktualität und als Aufforderung zur Nachfolge Christi. Zum 10jährigen Jubiläum des modernen Pfarrzentrums schuf 1977 Valeria Groten, Unterpfaffenhofen, an der Ostwand des Clubraums in lebensfrohen Farben ein monumentales Gemälde, das diesen Raum als Ort der Begegnung und des Gesprächs für die Kirchengemeinde vor Augen führt.