Geschichte

Der an der alten Straße von München nach Augsburg am Rand der Münchner Schotterebene gelegene Ort Germering wird erstmals zweifelsfrei zwischen 859 und 864 in einer Freisinger Urkunde als "kermaringon" erwähnt. Doch zeigen zahlreiche Funde, dass das Gebiet um den Parsberg (eine Altmoräne) seit dem Neolithikum kontinuierlich besiedelt ist. Erst in der Konradinischen Matrikel von 1315, dem ältesten Verzeichnis der Kirchen des Bistums Freising, lesen wir von einer Kirche in "Germaring", die von einem Friedhof umgeben ist und wie die Gotteshäuser in Alling und Holzkirchen zur Pfarrei (St. Jakob in Unter-) Pfaffenhofen am Parsberg gehört. Allerdings bestätigen die 1977 vom Referat "Mittelalter-Archäologie" des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege durchgeführten Grabungen in der alten Martinskirche einen frühmittelalterlichen Vorgängerbau.

Im Wittelsbacher Bruderkrieg wurde 1422 Germering samt seinem Gotteshaus (wie etwa auch die Orte Gauting, Pasing oder Aubing) von den Truppen des streitbaren Ingolstädter Herzogs Ludwig des Gebarteten eingeäschert. Der Wiederaufbau der Kirche zog sich in zwei Etappen bis zum Ende des 15. Jahrhundert hin. Damals teilten sich die Germeringer Kirchenstiftung zu jeweils einem Drittel die Klöster Schlehdorf und Altomünster sowie die zuständig Pfarrei Unterpfaffenhofen. Daneben hatten auch die Klöster Andechs, Dießen und Scheyern, das St. Andrästift in Freising, das Angerkloster, der Alte Hof und das Benefitz St. Salvator (alle drei in München), sowie die Kirche zu Aubing in Germering Besitzungen. Wie die ganze Gegend westlich um München blieb auch Germering weder im Dreißigjährigen Krieg (1632/33 vor den Schweden und 1648 vor marodierenden Haufen) noch im Spanischen Erbfolgekrieg (1709/10 vor österreichischen Truppen) oder im Österreichischen Erbfolgekrieg (1744 vor den berüchtigten Panduren unter Führung von Franz Freiherr von der Trenck) verschont. 1798 ging Germering wieder in Flammen auf, wobei jedoch die Kirche offenbar unversehrt blieb.

Ab 1575 sind die Namen der für Germering zuständigen Pfarrer von Unterpfaffenhofen fast lückenlos überliefert. Im Jahre 1665 gestattete Papst Alexander VII der Germeringer Armenseelenbruderschaft, in Zukunft den Hochaltar der Martinskirche als Bruderschaftsaltar zu benützen; 1683 wurde diese Bruderschaft der kurfürstlichen Erzbruderschaft bei St. Lorenz im Alten Hof zu München angeschlossen. (...)

Bis 1852 gehörte Germering jahrhundertelang zum Landgericht Starnberg und kam erst dann zum Landgericht Bruck, aus dem der Heutige Landkreis Fürstenfeldbruck hervorging. Zählte Germering1871 noch 420 Einwohner, so stieg die Bevölkerungszahl nach dem Bau der Eisenbahnlinie München - Herrsching (1901) bis zum Jahre 1939 auf über 1600 an. Das hatte zur Folge, daß der Kirchensprengel Germering 1922 zur Expositur erhoben wurde mit Johann Hachinger als erstem Expositus. Der Zuzug von über 700 Heimatvertriebenen ab 1945 machte am 21. April 1946 die Umwandlung der Expositur zur selbständigen Pfarrei notwendig; damit wurde der damalige Expositus Anton Birkmeier am 3. Mai desselben Jahres zum ersten Pfarrer von Germering, wo er bis 1969 wirken sollte. (...) Aufgrund des raschen Wachstums der Gemeinde Germering (1 Mai 1978 rund 36000 Einwohner), war es deshalb nur konsequent, wenn man 1966/67 auch das neue katholische Pfarrzentrum St. Martin und 1972/73 die evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gedächtniskirche erbaute. Bereits 1959 war der Grundstein zur katholischen Kirche St. Cäcilia gelegt worden, Mittelpunkt einer 1960 aus Teilen der Pfarreien St. Martin/Germering und St. Johannes Bosco/Unterpfaffenhofen gebildeten Kuratie und ab 1965 selbständigen Pfarrei für Neugermering und Harthaus. Über diesen Neubauten vergaß man jedoch nicht die alte, in ihrer Existenz bedrohte Martinskirche: 1974 konstituierte sich der "Förderverein Alte Dorfkirche St. Martin e.V.", der es sich zur Aufgab gemacht hat, das unter Denkmal stehende Gotteshaus durch eine grundlegenden Restaurierung vor dem Verfall zu retten und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.

Text nach Lothar Altmann aus: Kirchenführer St. Martin/Germering

Hier finden Sie die Baugeschichte unserer beiden Kirchen noch einmal ausführlich:

[Alte Dorfkirche] - [Neues Pfarrzentrum]
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Bruno Baier